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Wittgenstein Und Adorno: Zwei Spielarten Modernen Philosophierens

Wittgenstein Und Adorno: Zwei Spielarten Modernen Philosophierens

Paperback

Series: Schwabe Reflexe, Book 20

Philosophy

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ISBN10: 3796528198
ISBN13: 9783796528194
Publisher: Schwabe
Published: Mar 1 2012
Pages: 143
Language: German
Rolf Wiggershaus betrachtet es als einen Glucksfall, dass zwei der originellsten und unkonventionellsten Philosophen des 20. Jahrhunderts - Wittgenstein und Adorno - sowohl die Spannweite wie entscheidende Wesensmerkmale modernen Philosophierens deutlich machen. Ungewohnlich - gemessen an der Normalitat akademischer Philosophie - sind sowohl die Biographien und Karrieren wie die Interessenvielfalt und das Werk der beiden. Soweit man von einer Entwicklung der neueren Philosophie sprechen kann, besteht sie in der wachsenden Einsicht in die geschichtliche und gesellschaftliche, biologische und sprachliche Situiertheit der Vernunft. Die 'gebrochenen' Karrieren Wittgensteins und Adornos - zweier Juden aus wohlhabenden und bildungsorientierten Familien in der Ara der beiden Weltkriege und totalitarer Systeme - wirken fast wie ein Pendant zur Herausbildung einer Auffassung von Philosophie, die sich als reflektierende und verstrickte Teilnehmerin der Lebenswelt versteht - und nicht als aussenstehende Beobachterin. Die sechs Kapitel des Buches setzen ein mit Informationen uber Ferne und Nahe zweier Zeitgenossen, von denen der eine, Wittgenstein, zwischen Philosophie und Ingenieursberuf schwankte, der andere, Adorno, zwischen Philosophie und Musik. Beide hielten nichts von 'reiner' Philosophie. Zwei weitere Kapitel vergegenwartigen das Philosophieverstandnis der beiden. Sie tun das gewissermassen ohne Rucksicht auf einen Nachweis von Konvergenzen und sind einzig auf die Wiedergabe der jeweils spezifischen Ansicht, Haltung und Quintessenz bedacht, die Wittgenstein bzw. Adorno vermitteln. Doch die gemeinsame Intention, das verbindende Pathos zeichnen sich ab, wenn Wittgensteins Philosophieverstandnis als 'die Kunst, uber die richtigen Dinge zu staunen', auf den Begriff gebracht wird, und das Adornos als 'die Kunst unrestringierter Erfahrung'. Entsprechend der Auffassung, dass es beim Philosophieren nicht um eine dem Alltag enthobene Expertentatigkeit geht, sondern um eine reflektierende Lebenshaltung, ist ein weiteres Kapitel aufschlussreichen Aspekten der Biographien und der philosophischen Entwicklung Wittgensteins und Adornos gewidmet. Das letzte Drittel des Buches handelt von dem, was man als philosophische Praxis bezeichnen konnte. Wie weit und mit welchen Mitteln gelingt es Wittgenstein und Adorno, das zu tun, wozu sie auffordern: uber die richtigen Dinge zu staunen und fur Erfahrungen offen zu sein? Nicht nur fur Wittgenstein, den Erfinder der Metapher des Sprachspiels, erweist sich die Orientierung an der Praxis der Sprache als entscheidend. Auch Adornos Pladoyer fur unrestringierte Erfahrung lauft auf eine reflektierende Teilnahme an der Praxis der Sprache hinaus. Beide literarisch ambitionierten Philosophen sind Meister der Metaphorik und einer dadurch moglichen Offenheit fur die Weite des Wirklichen. Als das Moderne der beiden vorgestellten Spielarten des Philosophierens ergib sich: es wird keine hohere Einsicht beansprucht, sondern ein Verhalten modellhaft vorgefuhrt, bei dem nichts Selbstverstandliches davor sicher ist, mit Verwunderung betrachtet zu werden, und nichts Verwunderliches davon ausgeschlossen ist, als etwas Selbstverstandliches betrachtet zu werden.

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