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Hans Reichmann: Deutscher Bürger Und Verfolgter Jude. Novemberpogrom Und Kz Sachsenhausen 1937-1939

Hans Reichmann: Deutscher Bürger Und Verfolgter Jude. Novemberpogrom Und Kz Sachsenhausen 1937-1939

Hardcover

Series: Biographische Quellen Zur Zeitgeschichte, Book 21

Biographies GeneralGeneral World History

Publisher Price: $147.99

ISBN10: 3486563394
ISBN13: 9783486563399
Publisher: de Gruyter Oldenbourg
Published: Jul 22 1998
Pages: 293
Weight: 1.31
Height: 0.69 Width: 6.14 Depth: 9.21
Language: German

Hans Reichmann, ehemals Syndikus des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, schildert in seinen Aufzeichnungen aus dem Londoner Exil eindringlich die Verfolgung der deutschen Juden in den Jahren 1937 bis 1939. Reichmann wurde wie Zehntausende anderer Juden 1938 im Zuge des November-Pogroms, der sogenannten Reichskristallnacht, verhaftet und in das Konzentrationslager Sachsenhausen verschleppt. Sein schon im Sommer 1939 niedergeschriebener Bericht über das Lagersystem und die besonderen körperlichen und seelischen Mi handlungen an den jüdischen Häftlingen ist in seiner Unmittelbarkeit ein eindruckvolles und erschütterndes Dokument deutsch-jüdischer Geschichte unter nationalsozialistischer Herrschaft. Leseprobe: Das Lachen wird ihnen inzwischen in der Kehle erstickt sein. Das Wort schneidet wie ein Messer. Ein kleiner Mann rächt sich. Sonderbar! Ein kleiner Mann erschüttert die Welt. Sie zittert vor ihm. Und ich kann mich noch immer nicht verstehen, den kleinen Mann gro zu sehen, so gro , wie ihn seine Propaganda oder der Ha seiner Feinde macht. Ich wei , was er angerichtet hat, ich spüre die Realität seiner Macht an mir, nichts und niemand, der solchen Einflu auf meinen Lebensgang genommen hätte. Der erste Gedanke, wenn ich erwachte und der letzte, wenn endlich der Schlaf kam, den mir sein Wüten so selten lie . Er hat mir alles genommen, was ich besa , zweimal den Beruf, Freunde, Familie, Wohnung und Vermögen, er treibt mich aus meinem Vaterland, er wird mich weiter treiben, sein Krieg wird mich verfolgen, seine Bomben und das Giftgas seiner Propaganda, und doch vermag ich nicht, die Persönlichkeit Hitler ernst zu nehmen, den Hysteriker, den Judenfresser, den rachsüchtigen Bösewicht. Die Welt sieht Genialität und Dämonie, ich sehe nur einen genial-dämonischen Zug: die infernalische Verachtung des Menschen, seines eigenen Volkes, dem er schonungslos jede Brutalität, jedes Opfer an Gut, Gesinnung und Leben, jede Gefolgschaft für Abenteuer Jules Vernescher Phantasie zumutet und mit seinem Terror aufzwingt. Der Führer hat das Signal aufgenommen, da sein 10.November gellend gegeben hat: Deutschland mu judenrein werden. Entmachtung, Entrechtung, Enteignung - jede Forderung so ungeheuerlich, da kaum die Radikalsten der Radikalen sie auszusprechen wagten. Aber als das deutsche Volk die Hetzer währen lie , als kein Proteststurm sie hinwegfegte, als die Auslands-Antwort zwar störte, aber doch nicht realpolitisch gefährlich wurde, da steigerten sich die Ha - und Vernichtungsgelüste des regierenden Pöbels ins Sinnlos-Ma lose. Und was kein Nazipogrom je gefordert, wurde zur Regierungsparole: Deutschland mu judenrein werden - die Juden müssen raus! In hundert Abwandlungen tönte sie uns nun entgegen, bald mitleidsvoll, bald schadenfroh, bald gleichgültig das Unabänderliche feststellend, bald ha erfüllt triumphierend.

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