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Deutsche Wortfeldetymologie in Europäischem Kontext (Dwee): Band 1: Der Mensch Und Sein Körper

Deutsche Wortfeldetymologie in Europäischem Kontext (Dwee): Band 1: Der Mensch Und Sein Körper

Hardcover

Linguistics

ISBN10: 3895007935
ISBN13: 9783895007934
Publisher: Dr Ludwig Reichert Verlag
Published: May 25 2012
Pages: 416
Weight: 2.05
Height: 1.30 Width: 6.90 Depth: 9.60
Language: German
An der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig läuft seit 2007 das Projekt Deutsche Wortfeldetymologie in europäischem Kontext - Der Mensch in Natur und Kultur (DWEE). In diesem Projekt wird der auf den Menschen bezogene Substantiv-Wortschatz des Deutschen vom Althochdeutschen bis zur Gegenwartssprache nach Wortfeldern gegliedert in semantischer und etymologischer Hinsicht untersucht. Das DWEE beschränkt sich dabei nicht, wie bisher üblich, auf die Beschreibung der lautlichen, morphologischen und semantischen Veränderungen vom Althochdeutschen bis zum Neuhochdeutschen, sondern erklärt diese Veränderungen vor dem Hintergrund der Interaktion mit anderen Wörtern innerhalb desselben (Teil)Wortfeldes. Dadurch ergeben sich u.a. neue Einblicke in die Mechanismen des Sprachwandels.
Kopf ist ein Lehnwort aus lat. cuppa Becher, Schale, Tasse und hatte im Althochdeutschen fast ausschlie lich die Bedeutung Becher, Schale. Zum Neuhochdeutschen hin hat sich also die Semantik grundlegend geändert. Auslöser dafür war das Merkmal, unterstützt durch Komposita wie ahd. hirnikopf Hirn-Schale; Hinterkopf. Durch Metonymie wurde das Wort Kopf dann auf den ganzen Kopf übertragen. Vom frühen Mittelhochdeutschen bis zum älteren Nhd. bestanden beide Bedeutungen nebeneinander, wobei die Häufigkeit von Becher, Schale abnahm, die von Kopf dagegen zunahm. Die alte Bedeutung liegt nur noch in dem Kompositum Schröpfkopf vor. Im Sog des semantischen Wandels von Kopf Becher, Schale zu Kopf veränderte sich auch das ahd. Wort houbit Kopf, Haupt und wurde zu einem Ausdruck für Erster, Anführer z.B. in Hauptmann u.ä., weil die Bedeutung Kopf zunehmend durch das Wort Kopf ausgedrückt wurde. Als Simplex in der Bedeutung Kopf ist Haupt also an den Rand der Sprache gedrückt worden und wird heute nur noch im gehobenen Kontext verwendet.
Eine semantische Parallele ist die Entwicklung von lat. testa Geschirr, Topf, das schon im Lat. die Bedeutung Hirnschale annahm und in ital. testa und frz. tête zum normalen Wort für Kopf geworden ist.
Auge sollte im Nhd. eigentlich Age lauten (urgerman. *agōn). Die bisherige Forschung erklärt den Anlaut Au- aus dem urgerman. Genitiv *auens. Unterstützend wirkten dabei die häufigen Kollokationen mit Ohr (urgerman. *auzan-), die schon seit dem Gotischen (z.B. augona habandans ni gasaihi , jah ausona habandans ni gahausei Augen habend seht ihr nicht, und Ohren habend hört ihr nicht) bezeugt sind.
Die Einbindung des Deutschen in die sprachliche Vielfalt Europas zeigt sich nicht nur an den importierten, sondern auch an den exportierten Wörtern. Deshalb werden im Projekt die zum Wortfeld gehörenden Germanismen gesammelt und geordnet. Interessant sind hier u.a. die Entlehnungswege: Das Mittelniederdeutsche war die Lingua franca der Hanse. Von hier gelangten viele Wörter in die Sprachen im Einzugsgebiet dieses Verbundes. Ein Beispiel dafür ist mittelenglisch knokel, neuenglisch knuckle Gelenk; Fingergelenk, das wahrscheinlich auf mittelniederdeutsch knökel Knöchel zurückgeht.
Parallel zu der forschungsorientierten Datenbank, in der die Projektergebnisse publiziert werden, enthält der Printband Überlegungen zu den methodischen Grundlagen des Projekts und beispielhafte Auswertungen der untersuchten Wortfelder.


Das Projekt DWEE ist auf mehrere Wortfelder angelegt, die in acht Bänden veröffentlicht werden:

Band 1: Der Mensch und sein Körper
Band 2: Der Mensch im Alltag
Band 3: Der Mensch und Mitmensch
Band 4: Religion und Ethik
Band 5: Mensch und Recht
Band 6: Mensch und Wirtschaft
Band 7: Mensch und Wissenschaft und Kunst
Band 8: Mensch und neue Technologien

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