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Briefe Aus Dem Krieg: Die Feldpost ALS Quelle Von 1914 Bis 1918

Briefe Aus Dem Krieg: Die Feldpost ALS Quelle Von 1914 Bis 1918

Paperback

Series: Urban-Taschenbucher

General European HistoryGeneral World History

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ISBN10: 3170367447
ISBN13: 9783170367449
Publisher: Kohlhammer
Published: Dec 16 2020
Pages: 195
Weight: 0.41
Language: German
Es fallt uns heute schwer, uns die unmenschlichen Bedingungen auszumalen, unter denen die Soldaten im Ersten Weltkrieg an den verschiedenen Frontabschnitten kampften, da die historischen Quellen, wie etwa Zeitungsartikel, Frontberichte oder offizielle Verlautbarungen in vielfacher Hinsicht ein verzerrtes Bild von der Situation an der Front liefern. Denn zum Einen wurden die Beschreibungen in der Regel von Personen verfasst, welche die Schrecken der Grabenkampfe nur unzureichend kannten. Zum Anderen gab es im Krieg eine strikte Zensur, deren Ziel es war, die Kampfmoral der Bevolkerung aufrecht zu erhalten. Die Widergabe der Stimmung bei den Truppen wurde daher in geradezu systematischer Weise geschont. Wie jedoch fuhlten sich die einfachen Soldaten tatsachlich? Wie entwickelte sich die Stimmung im Verlauf der Kriegsjahre? Was dachte man an der Front uber die Entscheidungen der Regierung und des Generalstabs? Hielt sich die anfangliche Kriegseuphorie oder stellte sich mit andauerndem Schrecken zunehmende Ernuchterung ein? Diese und viele weitere Fragen sind nicht nur fur Historiker von brennendem Interesse. Vielmehr konnte die Beantwortung dieser Fragen den Ersten Weltkrieg in einem vollig neuen Licht erscheinen lassen. Ann-Katrin Fett wertet nun die bisher viel zu wenig beachtete Quellengattung der Feldpostbriefe aus. Diese Briefe - ausgetauscht zwischen Frontsoldaten und ihren Lieben in der Heimat - gewahren wie kein zweites Medium Einblicke in die Gedankenwelt einer Menschengruppe, die ansonsten in den historischen Quellen kaum einen Niederschlag gefunden hat. Sie geben intime Gefuhle und Einschatzungen weitgehend ohne Hintergedanken wieder und lassen gesellschaftliche Stimmungen und uberpersonliche Wahrnehmungsmuster erkennen. Die Autorin untersucht, wie die brutalen Materialschlachten und endlosen Kraterlandschaften den Blick der Zeitgenossen auf den Tod und die eigene Sterblichkeit veranderten und wie sich dies schriftsprachlich niederschlug. Sie analysiert, welche Dissonanzen sich durch die unterschiedlichen Erfahrungswelten von Front und Heimat ergaben und welche Rolle die Feldpost bei der Uberbruckung derselben spielte. In den Briefen lassen sich zahlreiche sprachliche Bewaltigungsmechanismen und beschworende Sprachhandlungen nachweisen, die eine Distanz zur Kriegsrealitat schufen. Haufig auaert sich dies durch Aussparungen und Verharmlosungen sowie durch eine starke Konzentration auf alltagliche und scheinbar unpolitische Themen. Durch ihren sprachwissenschaftlichen Ansatz gelingt es der Autorin aufzuzeigen, wie sich die Menschen uber die Jahre hinweg zu dem andauernden Ausnahmezustand in ihren Briefen positionierten. Eine wichtige Erkenntnis ist, dass sich die Sprache in den Feldpostbriefen zwischen 1914 und 1918 verandert hat; daraus wiederum gelingt der Autorin die Herleitung einer allgemeinen mentalitatsgeschichtlichen Entwicklung. Um die chronologische Entwicklung sprachlicher Diskurse greifbar zu machen, ist jedem Kriegsjahr ein Kapitel gewidmet. Das Quellenmaterial umfasst Briefe von der Front und aus dem zivilen Raum, von Frauen und Mannern, aus verschiedenen Altersgruppen und Milieus.

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